Dieser Artikel ist sehr persönlich, ehrlich und hautnah. Alle Angaben entsprechen ausnahmslos der Wahrheit. 28 Jahre in einer toxischen Beziehung haben nun ein Ende gefunden.
Ich bin Autist. Als Autist falle ich auf. Manchmal bin ich schwierig, gelegentlich seltsam und häufig auch schweigsam. Als Autist bin ich leider auch ab und an überfordert. Wenn ich überfordert bin und man mir in solchen Situationen keinen Raum lässt, kann ich laut werden. Trotzdem bin ich ein Mensch mit menschlichen Bedürfnissen. Und jetzt stell dir vor, du setzt Grenzen, egal wie komisch sie anderen vorkommen, und deine Partnerin überschreitet deine Grenzen, macht sie lächerlich, privat und öffentlich, verwendet sie gegen dich und nutzt jede Eskalation dazu, sich selbst moralisch besser zu fühlen. Toxic Baby!
Trauma Match
Als Autist finde ich nur gelegentlich vollständige Akzeptanz. Das macht selbstredend Probleme bei der Paarbildung. Es gibt Menschen, die gezielt nach solch komischen Personen suchen. Das habe ich lange Zeit nicht gewusst. Als Autist verfüge ich hauptsächlich über folgende Merkmale: Fluchtreaktion bei Überforderung, analytische Denkweise, informationsgetriebene Konversation und geregelte Tagesabläufe. Ich habe einen stark ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und gelte als Retter. Durchhaltevermögen kann ich mir auch auf die Fahne schreiben. Gleichzeitig suche ich selbstredend zumindest im kleinen Kreis nach vollständiger Akzeptanz. Das und die Erlebnisse in meiner Kindheit machten mich mit zarten 19 Jahren damals zum perfekten Trauma-Match für ein Trauma Bonding mit einer vulnerablen Narzisstin.
Vulnerabler Narzissmus
Was das ist? Eine Person, die voller Scham und Leere ist und als Kompensation Supply [Aufmerksamkeit, Bestätigung] benötigt. Sie bevorzugt Partnerschaften, in denen man das Gegenüber moralisch klein halten kann. Sie sucht gezielt nach Personen, die sie leicht für ihre Zwecke einspannen kann. In ihrem Fall traumatisierte Menschen und ältere Männer. Beide Gruppierungen haben statistisch gesehen ein gesteigertes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit.
Kritik mögen vulnerable Narzissten gar nicht, denn dieses Gefühl wollen sie nicht aushalten und bekämpfen es mit allen Mitteln. Der ganze Tagesablauf dreht sich zudem um Gewinnung von Dopamin durch Anerkennung und Bestätigung. Alle andere ist Nebensache.
28 Jahre
So lange hielt meine toxische Beziehung zu einer solchen Partnerin. Warum so lange? An erster Stelle steht da die neurochemische Abhängigkeit, wie ein Junky auf der Suche nach dem nächsten Schuss. Möglich macht das die Kombination aus Ablehnung und sehr seltener Akzeptanz. Dazu gesellt sich die Angst vor der Isolation und gerne angenommene Hilfe für den sozialen Alltag. Aber nicht nur das. Ich wollte nicht von meinem Sohn getrennt sein und auch keinen Unterhalt zahlen müssen. Viele Jahre liefen beziehungsmäßig nur am Wochenende ab, da konnte man unter der Woche mal auftanken. Also habe ich Konflikte mitgemacht, die Bestrafungen in Kauf genommen, mir oft die Schuld gegeben und mich selbst als falsch eingeordnet. Damit nicht genug, habe ich mich über die Jahre immer mehr isoliert und auf sie fixiert. Die wenigen Menschen, die mit mir kompatibel waren, wurden auf die eine oder andere Art negativ von ihr beeinflusst. Wirklich jede Freundschaft von mir zerbrach an einer dieser Aktionen. In all den Jahren wurden meine Schwächen gezielt ausgenutzt, um ihre eigenen zu vertuschen.
Selbst in einer mehrjährigen Beziehungspause war mein Gehirn vollständig abhängig von ihr. Und genau zu dem Zeitpunkt, an dem ich eine neue Beziehung begann, tauchte sie wieder auf. Dummerweise hatte ich das dann stattfindende Love-Bombing als Reue und echte Liebe fehlinterpretiert.
Muster
In der Rückschau stellte ich fest, dass die Muster sich wiederholten:
Bewusste Trigger-Provokation, Abwarten der Reaktion und damit einhergehend Opferhaltung und Supply-Einsammlung.
Manipulation des näheren Umfelds zum Zweck der Zerstörung meiner Beziehungen.
Permanente Selbstbeweihräucherung zur Zurschaustellung einer moralischen Überlegenheit.
Ständiges Ansprechen eigener Stärken im Vergleich zu meinen vermeintlichen Schwächen.
Absichtliches Triggern [Grenzüberschreitung] im Alltag.
Abseits der missbräuchlichen Aktivitäten kein ernsthaftes Mitarbeiten innerhalb der Beziehung.
Selbst verdientes Geld nur für sich ausgeben.
Das Gegenteil von dem machen, was erwartet und kommuniziert wurde.
Von mir erwarten, dass ich Entscheidungen für sie treffe, um dann zu sagen, ich sei kontrollierend.
Intimität war eine Ressource, die zugeteilt oder entzogen wurde.
Ständiger Zugriff auf die Deutungshoheit, jegliche Form der Selbsterkenntnis oder Selbstannahme wurde umgedeutet.
Paraguay
In Paraguay konnten wir uns nicht mehr so leicht aus dem Weg gehen, also lernten wir uns wirklich kennen. In dieser Zeit machte ich immer wieder die gleichen Beobachtungen. Unangekündigte Besuche, Anfeindungen oder kopfschüttelnde Bemerkungen von ihr selbst oder von ihren Freunden und von unseren Nachbarn, hin und wieder auch mal eine Lächerlichmachung oder öffentliche Demütigung. Gelegentlich wurde ich aus dem Besuch von Freunden systematisch ausgeschlossen. Immer wieder aktives Anwenden von Tätigkeiten, die mich triggern, also absichtliche Grenzverletzungen. Ich fand das seltsam, hatte das hinterfragt und bedauert, aber akzeptiert. Als Antwort erhielt ich immer Schulterzucken oder Schweigen. Die Folge für mich war eine immer stärker wachsende Isolation voller Selbstvorwürfe.
Die letzten Monate
So ging es drei Jahre weiter. In den letzten Monaten wurde mir dann erst klar, dass ich Autist bin. Ich machte das kurz darauf öffentlich und begann innerhalb der Beziehung gewisse Dinge gezielter in Frage zu stellen. Dann kam auf einmal ein großes Triggerthema auf und ich versuchte, das Thema mit viel Liebe und Aufmerksamkeit wieder vom Tisch zu bekommen. Eine ausgesprochen üble und gezielt gesetzte Aktion, wie ich viel später lernen musste. Doch die rosa Wolke hielt nicht lange und nach der nächsten sachlichen Kritik entflammte das Drama und die Bestrafung ging wieder los. Ich ging erstmalig vollständig auf Abstand, damit änderte sich auch das Verhalten der Partnerin. Mehr und mehr zog sie sich zurück und verbrachte nahezu den ganzen Tag am Smartphone, immer mit Kopfhörern auf. Hin und wieder verschwand sie mit ihrem Equipment in die Außentoilette, die sie sogar von innen verschloss. Wie ich heute weiß, war sie auf der dringlichen Suche nach neuem Supply. Der Gedanke daran, das ich sie endlich durchschaut hatte, musste ihr unerträglich geworden sein.
Die letzten Tage
Es wurde immer weniger gesprochen, dafür schrieb ich umso mehr mit der KI. Mehr und mehr wurde mir klar, was in den letzten 28 Jahren eigentlich abging. Welche Rolle sie spielte und welche Rolle ich spielen musste. Mein Autisten-Hirn begann mit den Kamerafahrten, unzählige Erlebnisse wurden nochmal abgespielt und neu interpretiert. Ich erkannte immer stärker die Muster, die unzähligen Wiederholungen von öffentlicher Demütigung, moralischer Abwertung, gezielter Manipulation und sogar gelegentliches Flying-Monkey-Mobbing. In den letzten beiden Tagen bekam ich richtig Angst vor ihr. Schritt für Schritt ließ ich mich von der KI durch den Tag begleiten. Immer wieder erfuhr ich dabei Trauma-Entladungen.
The Day After
In der Zeit nach ihrem Auszug tippte ich weiter wie ein Irrer in die Tasten, ich wollte alles wissen und verstehen. Alles Mögliche kam mir in den Kopf, wellenartig. An manchen Tagen war ich fertig, an anderen Tagen voller Energie. Alles richtig, messbar und logisch, wie die Biochemie es eben erfordert. Alles an Emotionen und körperlichen Reaktionen ließ ich durchlaufen. Nun bin ich hier, teilweise mit Entzugserscheinungen, aufgewacht aus der Trauma-Falle.
Sie hinterließ mir übrigens 3 Botschaften, zwei davon Trigger-Elemente und einmal eine ihrer Trophäen von erfolgreich manipulierten Menschen. Lustigerweise alles im Doppelpack. Dafür muss ich mich bedanken, denn dieses kleinkindliche Verhalten ließ jegliche Restzweifel verblassen.
Entzug
Aktuell befinde ich mich in der Phase des Entzugs. Dieser verläuft ziemlich genauso, wie von meinem digitalen Therapeuten vorhergesagt. In jedem Falle ist die Angst [Trennungsangst] davor nach meiner bisherigen Erfahrung zwar verständlich, aber keinesfalls berechtigt. Dieses Erlebnis kann ich somit bedenkenlos mit den Worten beschreiben: “Die Zeit heilt alle Wunden”.
Meine fehlende vollständige Selbstakzeptanz als Autist machte es möglich, das ich mich auf meine vermeintlichen Fehler reduzieren ließ, indem jeder Versuch der ausnahmslosen Selbstannahme und damit einhergehender Grenzsetzung mittels verschiedener Methoden von der Partnerin im Keim erstickt wurde. Da solche Persönlichkeiten kein anderes Betriebssystem besitzen, ist das nicht verwunderlich, sondern klare Kausalität.
Da sich mein Nervensystem seit der Trennung nicht mehr im ständigen Stressbereich befindet, bin ich insgesamt in Stresssituationen wesentlich entspannter. Im nächsten Monat werde ich mein Cholesterin Level wieder checken lassen und ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.
Zudem über ich mich in konsequenter Grenzsetzung. Das ist für mich keine neue Erfahrung, sondern in diesem Falle nur eine Erweiterung des bisherigen Levels.
Kein Groll
Ja, es war eine lange Zeit, ja mein Ruf ist bei einigen Menschen ruiniert. Aber nein, ich hege keinen Groll. Die erste Begegnung mit zarten 19, da sagte mein Kopf: DIE MUSST DU HABEN. Sie, das Opfer und ich, der Retter. Ich auf der Suche nach Akzeptanz und sie dankbar über die treue Seele. Ich hatte keine Chance. Eine toxische Reise quer durchs halbe Leben.
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass jeder Mensch ein unveränderliches Betriebssystem in sich trägt. Keiner ist dafür wirklich verantwortlich und nur sehr wenige Menschen schaffen es, das eigene Programm oder die Programme der anderen zu erkennen. Sich darüber zu ärgern ist natürlich naheliegend, aber ich will den Rest meines Lebens nicht damit verbringen, mir über Negatives in der Vergangenheit den Kopf zu zerbrechen.
Keine Details
Keine Übertreibung, ich könnte ein Buch über meine Erlebnisse schreiben. Aber wozu? Ich bin nicht der erste und auch nicht der letzte mit dieser Erfahrung. Nur eines ist wichtig: Keine Wiederholung, denn genug ist genug!
Da ich mich derzeit komplett neu ausrichte und aktuell die Zeichen so stehen, dass ich Paraguay im nächsten Jahr wieder verlassen werde, koche ich hier für eine längere Zeit auf Sparflamme.


Hi, es ist gut darüber zu schreiben. Es hilft Dinge besser zu realisieren und zu verarbeiten. Viel Erfolg bei deinen Finanzen und privatem wünsche ich dir!
Herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich gebe dir absolut recht. Diese Erfahrung zu teilen hilft mir wirklich sehr und unterstützt mich zusätzlich dabei, zu mir und meinen Erfahrungen zu stehen.